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Version I, Ende der 1970er JahreBearbeiten

Gegen 23.00 Uhr stand an der Straße in der Nähe von Wangen ein Autostopper in weißem Gewand. Die Frau hielt an und der Mann stieg ein. Er gab nun der Frau genaue Anweisungen; sie solle nicht geradeaus fahren, sondern rechts abbiegen, da sonst ein Unfall drohe, und war dann verschwunden. Später stellte sich heraus, dass an der Stelle, an der die Frau vorbeigefahren wäre, ein Auto einen Unfall hatte.

Version II, 1933Bearbeiten

Ein Bauersmann war auf der Heimfahrt begriffen. Von irgendwelchem Verkauf trug er eine volle Geldkatze bei sich. Unterwegs begegnete er einem alten Weiblein, das er auf inständige Bitten hin im Wagen hinten aufsitzen ließ. Vor einer abschüssigen Hohl (Hohlweg. L. P.) legte er einen Radschuh (zum Bremsen, L. P.) unter ein Rad. Unten angekommen, löste er den Schuh vom Rade und warf ihn auf den Wagen. Das alte Weiblein hatte er in Gedanken an den gutgetätigten Verkauf versunken, ganz vergessen. Daheim fand er die Alte tot auf seinem Wagen vor. Aus Versehen hatte er sie mit seinem Radschuh so hart getroffen. Glücklich oder unglücklich? Beim näheren Zusehen stellte er fest, dass das vermeintliche Weible ein verkleideter Räuber war.

Version III, ca. 1902Bearbeiten

Die andere Geschichte aus seiner Knechts- und Fuhrmannszeit ist die, wie er von Bunzlau heim kam, und halb zwischen Liebichau und Töppendorf steht eine am Wege, ein verhutzeltes altes Mutterle, und fragt, ob sie denn nicht ein bissel mitgenommen werden könne. Nu freilich, spricht er zu ihr und hält die Pferde an. Sie gibt ihm zuerst den Korb hinauf und dann setzt sie den Fuß vorn auf den Trittlich (Trittbrett, L. P.) und steigt auf. Weil es ein altes Weibel ist, denkt er: Du musst ihr was behilflich sein, und nimmt die Leine in die Linke und langt hinab, da fällt der Mondenschein gerade auf ihr Gesicht, und da sieht er - sie hat ein wollenes Halstuch um -, wie sie hinauf will, dass sie einen Vollbart hat. Ach! denkt er, und: sieh an! und nimmt die Peitsche und haut auf die Pferde. Er tat sonst keinem Tiere was zu leide, aber da war es schon notwendig. Die Pferde rucken an, der Räuber, denn das war das Mutterle, fällt hintenüber, und mein Kühn (Großvater, L. P.) jächt los mit dem Gespann. Wie er ein kleines Stückel ist, dort wo der Busch zurückweicht von der Straße, da pfeifts an ihm vorbei und er hört auch den Knall. Da hat der Räuber hinter ihm hergeschossen. - Er ließ die Pferde erst ein Weilchen später wieder langsamer gehen. Aber wie sie daheim den Korb aufmachten, da war er voller Messer und Pistolen; da konnte er sich ja denken, was die Absicht von dem Weibe gewesen ist.

Anmerkung:

Quelle Version I:
Ort: Nähe von Wangen, Oberschwaben
Quelle: M. R. (Studentin), die die Geschichte von einer Nachbarin hörte, deren Kinder sie aus der Schule mitbrachten. Die Mutter eines Kindes aus der Klasse hatte angeblich dieses Erlebnis.
Von Univ.-Prof. Dr. Leander Petzoldt Ende der 1970er Jahre persönlich aufgezeichnet.

Quelle Version II:
Menzingen, Kreis Bretten/Baden: Zentralarchiv Marburg, Nr. 151.030

Quelle Version III:
Will-Erich Peuckert, Sage, Geburt und Antwort der mythischen Welt, Berlin 1965, S. 29

Quelle: Diese Versionen werden besprochen in: Leander Petzoldt "Phantom-Lore, oder: Vom Glück des Sammlers beim Finden" in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, NS 43, 1989, S. 24 - 32.

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